Erste gemeinsame Vorstandssitzung der KSR Rastatt und Ortenau

Bühl (hr) – Bei Gesprächen am Rande des Landesverkehrstags in Offenburg stellten die Vorsitzenden der Kreisseniorenräte (KSR) von Rastatt und der Ortenau fest, es gibt viele Überschneidungen in der Seniorenarbeit, wovon manche besser gemeinsam angegangen werden sollten. Die beiden Vorsitzenden vereinbarten eine gemeinsame Sitzung der Vorstände, die nun in den Räumen des DRK-Kreisverbands Bühl stattgefunden hat.
Der Ortenaukreis ist mit 1 861 Quadratkilometer (Rastatt 739) der flächenmäßig größte Landkreis in Baden-Württemberg, hat rund 430 000 (232 000) Einwohner in 53 (23) Städten und Gemeinden. Der KSR Ortenau wurde 1984 (2004) gegründet und hat aktuell 162 (66) Mitglieder. Während alle Städte und Gemeinden im Landkreis Rastatt Mitglied im KSR sind, sind es im Ortenaukreis nur rund die Hälfte. Besonders beeindruckt hat die Rastatter Vorstandsmitglieder, dass der KSR Ortenau im Landratsamt eine Geschäftsstelle mit hauptamtlichem Personal hat und in Zusammenarbeit mit einem Verlag monatlich eine eigene Zeitschrift „senioren aktuell ortenau“ mit einer Auflage von 6.700 Exemplaren herausgibt, die kostenfrei an alle Altenwerke und Seniorenorganisationen im Ortenaukreis verteilt wird. Die Ortenauer Vorstandsmitglieder waren von der Präsentation der geplanten Ausbildung zum mobilen Wohnberater, den Alterssimulationsanzügen und dem Rollstuhl/Rollator-Trainingsparcours beeindruckt.
Nach einer angeregten Diskussion waren sich die Teilnehmer einig, die Arbeit wird den Seniorenräten, insbesondere im ländlichen Raum nicht ausgehen. Als Beispiele wurde unter anderem die zunehmende Vereinsamung der Senioren, viele leben allein im Haus oder in der Wohnung, haben keine Angehörigen in der Gemeinde mehr und kaum noch kommunikative Kontakte. Weitere brandheiße Themen sind aus Sicht der Räte die Versorgung mit Dingen des täglichen Bedarfs, die nicht immer taugliche Infrastruktur für Menschen mit eingeschränkter Mobilität, die lückenhafte Versorgung im Gesundheitsbereich und fehlende Hilfe beim Wechsel von der analogen in die digitale Welt. Einstimmig beschlossen sie, die gemeinsame Vorstandssitzung jährlich wechselseitig zu wiederholen.
Ein Hindernis ihrer Arbeit sehen die Vorstände in dem Begriff „Alt“, keiner der Angesprochenen will alt sein. Der Begriff alt sollte künftig positiver besetzt werden. Kontrovers wurde diskutiert, ob die vom Landesseniorenrat favorisierte Einführung einer analogen Notfalldose vor dem Hintergrund der kurz vor der Einführung stehenden digitalen Gesundheitskarte Sinn macht.
Fest vereinbart wurde ein gemeinsamer Appell zur Gründung von Seniorenräten in allen Gemeinden zu formulieren, es genügt nicht „nur“ Mitglied im KSR zu sein. Erstaunt waren die Teilnehmer, dass in beiden Kreisen, die viele Jahre zurückliegende Kreis- und Gemeindereform noch immer nicht zu einem „Wir-Gefühl“ geführt hat, viele, auch Jüngere noch immer in den alten kommunalen Grenzen verankert sind. Wir brauchen in allen Gemeinden und Teilorten Menschen, die sich für die Bedürfnisse der älteren Generation stark machen, kontinuierlich die Infrastruktur überprüfen. „Sicher alt werden in der eigenen Wohnung“ und die gemeinsame Ausbildung von Wohnberatern sollen Schwerpunkte der künftigen Zusammenarbeit werden. Weitere gemeinsame Themen sind Aktionen zur Kriminalprävention und gemeinsame Einsätze mit dem Rollstuhl/Rollator-Trainingsparcours in beiden Kreisgebieten.